Strukturierte Vorlesungsdokumentation: 07 Verkehrslogistik 1

Vollständige, exakte 1:1-Extraktion aller Inhalte, Definitionen, Kennzahlen, Akteure und Systematiken aus den 5 handgeschriebenen Vorlesungsseiten (ohne Auslassungen oder externe Zusätze).

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1. Einführung in die Verkehrslogistik & grundlegende Definitionen

Die Verkehrslogistik bildet die entscheidende Schnittstelle zwischen internen betrieblichen Prozessen und der externen Infrastruktur zur physischen und informatorischen Bewegung von Gütern und Personen.

Verkehrslogistik

Die „externe“ Logistik zur Planung und Verwaltung des Materials, Personals, der Energie und der Informationen in ihrem lokalen Veränderungsprozess unter der Nutzung der externen Verkehrsinfrastruktur.

Transport

Die einzelne Ortsveränderung von Personen und/oder Gütern mit manuellen oder mit technischen Mitteln (also ein Teil des Verkehrs).

Verkehr

Die Gesamtheit der Ortsveränderungen von Fußgängern, der Fahrten und Reisen von Personen, des Versands von Gütern und die damit zusammenhängende Ortsveränderung von Fahrzeugen.

Die 5 Verkehrsträger (Systeme, auf denen der Transport stattfindet)

Gemäß Vorlesung werden 5 relevante Verkehrsträger unterschieden (Hinweis: Rohrleitungstransport wird als „special not needed“ notiert):

🚛 Straßengüterverkehr 🚆 Schienengüterverkehr 🚢 Seeschifffahrt 🛥️ Binnenschifffahrt ✈️ Luftfahrt ls Rohrleitungstransport (special not needed)

Grundlegende Kennzahlen im Verkehr

  • Verkehrsaufkommen (Transportaufkommen):
    Menge der außerhalb von Produktionsstätten beförderten Güter. Ausgedrückt in Tonnen pro Jahr ($t/a$).
  • Verkehrsleistung:
    Produkt aus dem Verkehrsaufkommen und der zurückgelegten Weglänge. Ausgedrückt in Tonnenkilometer pro Jahr ($t\cdot km/a$).
  • Modal Split (Modal share):
    Aufteilung des Güterverkehrs auf die jeweiligen Verkehrsträger (prozentualer Anteil der Verkehrsträger an der Gesamtverkehrsleistung).
PDF Seite 1 & 2

2. Arten der abgeleiteten Nachfrage, Entfernungsbegriffe & Ziele der Verkehrslogistik

Die 2 Arten der abgeleiteten Nachfrage (Transport)

1. Direkt abgeleitete Nachfrage

Bewegungen, die sich direkt aus wirtschaftlichen Aktivitäten ergeben.

💡 Beispiel: Transport von Roh-, Zwischen- und Fertigprodukten (direkte Funktion der Produktion und des Verbrauchs).
2. Indirekt abgeleitete Nachfrage

Bewegung, die durch den Bedarf anderer Bewegung entsteht.

💡 Beispiel: Transport von Kerosin (entsteht durch die Bewegung/den Kraftstoffbedarf der Flugzeuge).

Begriffe der Entfernung

Entfernungsbegriff Definition & Charakteristik laut Vorlesungsnotiz
Euklidische Entfernung Direkte Entfernung zwischen zwei Punkten (Luftlinie ohne Berücksichtigung von Wegen).
Transportentfernung Ausgedrückt in geografischen Einheiten, Kosten und Zeit (die tatsächlich zurückzulegende Strecke).
Logistische Distanz Umfasst alle relevanten Aufgaben und Prozesse, damit eine physische Bewegung überhaupt stattfindet.

Systemverständnis & die 4 Ziele der Verkehrslogistik

Die Verkehrslogistik besteht aus Personen- und Güterverkehr, welche die gleiche Verkehrsträger- und Verkehrsinfrastruktur benutzen. Die Hauptaufgabe der Verkehrslogistik ist die Gestaltung, Organisation, Planung und Steuerung der für Verkehre zur Verfügung stehenden Kapazitäten.

🎯 Die 4 strategischen Ziele der Verkehrslogistik:
  1. Befriedigung der Nachfrage nach Verkehrsleistung.
  2. Optimale Ausnutzung der vorhandenen Kapazitäten unter Berücksichtigung des wirtschaftlichen Betriebs.
  3. Optimale Gestaltung der Transportketten.
  4. Berücksichtigung der Anforderungen aus Volkswirtschaft und Umwelt.
PDF Seite 2, 3 & 4

3. Straßengüterverkehr: Akteure, Auflieger, Verkehrsarten & Netzwerke

Akteure im Straßengüterverkehr

Spediteur

Dienstleistungsunternehmen, das den Transport von Gütern besorgt. Hierzu organisiert der Spediteur gemeinhin als Kaufmann die Transportkapazitäten, muss diese aber nicht zwingend besitzen.
⤨ Kaufmann, der den Transport organisiert.

Frachtführer

Unternehmen, das für die physische Durchführung des Gütertransportes zuständig ist.
⤨ Führt den Gütertransport aus.

Selbsteintritt

Der Spediteur übernimmt auch die Funktion des Frachtführers und führt die organisierte Beförderung mit eigenen Fahrzeugen selbst durch.
⤨ Sowohl Spediteur als auch Frachtführer.

Auflieger & Ladehilfsmittel im Vergleich

Im Straßengüterverkehr dominieren zwei wesentliche Transporteinheiten, die sich in Aufbau, Beladung und Stellplatzkapazität deutlich unterscheiden:

Merkmal Sattelauflieger Wechselbrücke (Wechselbehälter)
Aufbau & Konstruktion Meist Pritsche mit Plane auf Sattelgestell und Sattelkoffer. Ladehilfsmittel, die direkt vom Lkw aufgenommen werden; mit ausklappbaren oder ausschiebbaren Stützen.
Beladungsmöglichkeiten Heck- oder Seitenbeladung; Container-Chassis zum Transport von Containern möglich. Heckbeladung (kann auf Stützen abgestellt unabhängig vom Lkw beladen werden).
Stellplatz / Stauplan 33 Europaletten 17 Paletten (pro Wechselbrücke)
Zentraler Vorteil + Großes Ladevolumen in einer durchgängigen Einheit. + Kann als Puffer genutzt werden (Abstellen beim Kunden zur Beladung ohne Lkw-Wartezeit).

Verkehrsarten im Straßengüterverkehr

1. Ladungsverkehr (Truckload / FTL) • Direktverkehr ($A \to B$)
0 Umschläge

Ganze Ladung wird von einem Absender direkt zu einem Empfänger gefahren.

⚠️ Nachteil: Leerfahrt (nur hin voll, zurück leer).
2. Teilladungsverkehr (Less than truckload / LTL) • ($A, B, C, D$)
0 Umschläge

Transport mehrerer Teilladungen; Teile des Laderaums werden von verschiedenen Versendern gebucht. Kein Umschlag im Depot.

⚠️ Nachteil: Ständiges Ein- und Auslagern an mehreren Orten; hoher Zeitaufwand, alle Orte anzufahren.
3. Sammelgüterverkehr (Groupage freight)
min. 1 Umschlag

Mehrere Stückgutsendungen, die kleine oder Teilladungen ergeben $\to$ diese werden in Speditionsanlagen umgeschlagen und neu zusammengefasst in Sammelladungen für die gemeinsame Beförderung im Hauptlauf (Denk an DHL / Speditionen).

+ Verringert Wege + Erhöht Transportnutzungsgrad - Braucht Infrastruktur (Speditionsanlagen)

Netzwerkstrukturen im Güterverkehr

Point to Point (P2P)

Jeder Sender liefert direkt an den jeweiligen Empfänger.

  • + Ware ist schnell am Ziel (keine Umwege/Umschläge).
  • - Viele Relationen und Leerfahrten im Gesamtsystem.
Hub-and-Spoke (Nabe-Speiche)

Bündelung der Verkehre über zentrale Umschlagplätze (Hubs).

  • + Wenige Relationen (starke Reduktion der Verbindungen).
  • + Hoher Transportmittelnutzungsgrad durch Bündelung.
  • - Infrastruktur wird benötigt (zentrale Hubs/Depots).

Vor- und Nachteile des Straßengüterverkehrs (Übersicht)

Auf Seite 3 (Aufgabenkasten) und Seite 4 der Vorlesungsnotiz werden die spezifischen Stärken und Schwächen des Straßengüterverkehrs systematisch aufgelistet:

✅ Vorteile des Straßengüterverkehrs
  • Hoher Servicegrad durch Haus-zu-Haus-Belieferung (Door-to-Door).
  • Flächendeckende Infrastruktur (engmaschiges Straßennetz überall verfügbar).
  • Wirtschaftlicher Betrieb auch für kleine Einheiten (im Gegensatz zu Zug/Schiff).
  • Hohe Flexibilität bezüglich Zeit, Route und Zielort.
  • Kurze Transitzeit bei kurzen und mittleren Distanzen.
❌ Nachteile des Straßengüterverkehrs
  • Fahrverbote an Sonn- und Feiertagen (sowie Ferienreiseverordnung).
  • Schwache Leistung bei Schüttgut (begrenzte Tonnage/Nutzlast gegenüber Massengüter-Schiffen/Zügen).
  • Ökologische Nachteile (hoher spezifischer Energieverbrauch & Emissionen pro $t\cdot km$).
  • Erhöhte Produktionskosten (Personalkosten Fahrer, Maut, Treibstoff).
  • Verminderte Zuverlässigkeit durch Staus, Witterung oder Unfälle auf den Straßen.
PDF Seite 4

4. Seefrachtverkehr: Grundbegriffe, Aufgaben & Vor-/Nachteile

Zentrale Begriffe des Seeverkehrs

Short Sea Shipping

Frachtverkehr entlang der Küste und in Binnengewässern (Kurzstreckenseeverkehr).

Deep Sea Shipping

Hochseeschifffahrt außerhalb hoheitlicher Gewässer (> 12 Seemeilen von der Küste).

TEU (Twenty-foot Equivalent Unit)

Standard-Maßeinheit für Schiffskapazitäten und Umschlagsmengen (20-Fuß-Container).

Tanker (Schiff)

Spezialisiertes Seetransportmittel für den Transport von flüssigen Stoffen (z.B. Öl / Rohöl).

Aufgabenspektrum des Seeverkehrs

Der Seefrachtverkehr ist das Rückgrat des Welthandels und übernimmt insbesondere zwei primäre Aufgabenbereiche:

  • Austausch von Rohstoffen, Massengütern, Halb- und Fertigerzeugnissen über interkontinentale Distanzen.
  • Groß- und Schwertransport für extrem voluminöse oder schwere Güter, die über die Straße/Schiene nicht transportierbar sind (z.B. Großraumtransformatoren, Turbinen, Industrieanlagen).

Vor- und Nachteile des Seefrachtverkehrs

✅ Vorteile des Seefrachtverkehrs
  • Hohe Effizienz bei Schüttgütern und Massengütern durch gigantische Ladekapazitäten.
  • Niedrige Kosten bei Langstreckentransporten (geringste Stückkosten pro Tonnenkilometer).
  • Hohe Sicherheit der Ladung auf hoher See (streckenabhängig).
  • Reserven an Kapazität auf den Weltmeeren vorhanden.
❌ Nachteile des Seefrachtverkehrs
  • Abhängigkeit von Wetterbedingungen (Stürme, Nebel, Gezeiten, Eisbildung).
  • Vergleichsweise langsam (lange Transitzeiten von mehreren Wochen).
  • Eingeschränkte Flexibilität (gebunden an schiffbare Wasserstraßen und Deep-Sea-Häfen).
  • Hohe absolute $CO_2$-Emissionen (und Schweröl-Verbrauch insgesamt).
PDF Seite 4 & 5

5. Port Logistik (Hafenlogistik), Megacarrier, Effizienz & Digitalisierung

Definition Port Logistik

Die Port Logistik beschäftigt sich mit der Planung, Steuerung, Durchführung und Kontrolle von Materialflüssen und den dazugehörigen Informationsflüssen im System Hafen und seiner Schnittstellen zu zahlreichen Akteuren innerhalb und außerhalb des Hafengeländes.

Akteure im Hafen (14 Akteursgruppen laut Seite 4/5)

Ein Seehafen ist ein hochkomplexer Knotenpunkt mit zahlreichen spezialisierten Beteiligten:

📦 Stauerei 🏢 Lagerungs-Spedition ⚓ Hafenbetreiber 🚢 Reederei 👨‍✈️ Hafenkapitän 📤 Verlader 👮 WSU (Wasserschutzpolizei/Hafenbehörde) 🚛 Verkehrsträger (Bahn/Lkw) 🪢 Festmacher 🚜 Schlepper 🧭 Lotsen 🛃 Zollbehörden 🚤 Wasserschutzpolizei 🔄 Umschlag- & Distributionsunternehmen

Aufbau Port Logistik (Die 3 Operationsbereiche)

Der Hafen unterteilt sich logistisch in drei aufeinanderfolgende operative Zonen von See nach Land:

1. Maritime Operations (Seeseite)

Steuerung des ankommenden und abgehenden Schiffsverkehrs vor und an der Pier.

  • Reede: Wartezone auf See vor der Hafeneinfahrt.
  • Anlegestelle: Liegeplatz (Berth) für das Schiff an der Kaimauer.
2. Terminal Operations (Hafen-Terminal)

Physischer Umschlag und Zwischenbevorratung im Hafenterminal.

  • Kräne: Containerbrücken zur Entladung/Beladung.
  • Lager: Container-Yard / Pufferflächen im Terminal.
  • Umschlag: Verbringung auf Landverkehrsmittel.
3. Hinterland Operations (Landseite)

Abtransport und Verteilung der Güter in das Binnenland.

  • Schienennetz: Güterzüge / Kombinierter Verkehr.
  • Straßen usw.: Lkw-Verkehr $\longrightarrow$ Weitertransport ins Hinterland.

Bau und Betrieb größerer Schiffe (Megacarrier) & Effizienz im Hafen

Nachteile immer größerer Schiffe
  • Einschränkungen bei Tiefgang und Durchfahrthöhen (Fahrrinnen müssen ausgebaggert werden, Brücken limitiert).
  • Hafenfläche & Infrastruktur müssen mitwachsen: Z.B. größere Länge der Krananlagen (Ausleger), riesige Flächen für Puffer und Lager nötig.
Effizienz des Umschlags im Hafen
  • + Moderne Krananlagen: Ermöglichen wesentlich schnelleres Entladen und Laden der Schiffe.
  • - Hohe Investitionen: Zusätzliches, teures Equipment ist an allen Lager- und Umschlagspunkten nötig (z.B. größere, stärkere Kräne).

Herausforderungen der Portlogistik

  • Bottleneck Hinterlandanbindung: Die Anbindung ans Hinterland (Bahn/Straße) ist wie ein Flaschenhals limitiert. Wenn das Terminal schnell entlädt, aber die Züge/Lkw fehlen, staut sich der Hafen zu.
  • Extrem hohe Lastspitzen (Peak Loads): Große Schiffe (Megacarrier mit 20.000+ TEU) sorgen für punktuell riesige Lastspitzen beim Löschen der Ladung.
  • Planungsunsicherheit & Investitionsbedarf: Notwendige gigantische Investitionen stehen großer Planungsunsicherheit gegenüber (z.B. durch regulatorische Hürden, Zölle, Korruption usw.).
  • Systemische Auswirkung auf die Supply Chain: Seehäfen sind zentrale Knotenpunkte $\to$ wenn die Anbindung schlecht oder der Hafen überlastet ist, gibt es auf die gesamte weltweite Supply Chain verteilt Lastspitzen, Verspätungen und ständige Umplanungen.

Digitalisierung in der Portlogistik: Maritime Clouds & Echtzeitsteuerung

Um den massiven Lastspitzen und Flaschenhälsen zu begegnen, setzt moderne Portlogistik auf vernetzte Plattformen:

Datenaustauschplattformen (Maritime Clouds / Port Community Systems)

Liefern Echtzeitdaten und exakte Prognosen an alle beteiligten Akteure. Dadurch lassen sich Lasten, Kräne und Hinterlandverkehre dynamisch umverteilen und vorausschauend planen.

Praxis-Beispiele aus der Vorlesung:
  • Geschwindigkeitsanpassung (Slow Steaming / Just-in-Time Arrival): Dem ankommenden Schiff per Funk/Datenfunk mitteilen: „Es soll mit 11 Knoten kommen um Zeit zu schinden“, da der Liegeplatz noch belegt ist. Das spart Treibstoff und verhindert Stau auf der Reede.
  • Dynamische Umleitung: Rechtzeitige Umleitung / Leitung an einen anderen Port (Ausweichhafen), falls das Zielterminal komplett überlastet ist.

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Lernfortschritt: 0 von 15 Aufgaben gelöst (0 %)

Original-Dokument (PDF 07)

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📄 Datei: 07.pdf (5 Seiten • Verkehrslogistik 1)